Die folgenden Zeilen stammen aus dem Tagebuch des Magisters J. K. F. Olibantin:
Zu Anfang des Jahres 1019 nach dem Fall der Bosparans bin ich heute zu ihrer Spektabilität Terbysios geladen! Es müsste etwa der dritte Tag des ersten Jahresmonats sein. Mein Quartier im unterirdischen Teil der Akademie gefällt mir sehr und dort lebe ich seit ich vor zwanzig Jahren als Absolvent diese herrliche Akademie nicht verließ. Aber der obere Teil, er erinnert mich an Arbeit und nervige Jünglinge, die glauben, bloß weil sie einmal einen Zant gesehen hätten, wären sie nun unerschrockene Dämonenbeschwörer. Vor allem, es ist eine viel größere Kunst, mit Geistern umzugehen oder einen Untoten an sich zu binden. Während ich so durch die Gänge spaziere, mit vierzig Götterläufen habe ich mir das Hasten abgewöhnt, da teile ich die Novizen und Adepten ein, in Dämoniker, Geisterrufer und Untotenbeherrscher. Gerne gehe ich einen Umweg, wenn ich Pôlberra sehe, diesen ranzigen Pfuscher; zwar hat er teils gute Arbeit geleistet, aber er ist doch schon sehr gewöhnungsbedürftig. Seit dem Zwischenfall damals mit wehrten Collegae und Magister Magnus Galotta, einem guten Freund von mir. Wohl meinem einzigen Freund hier an der Akademie. Natürlich weiß ich, dass es eine einseitige Freundschaft ist, aber nun ja, für mich war er ein Freund, auch wenn er selbst nur schwer Vertrauen zu Menschen fassen kann.
Ihm wäre ich jedenfalls lieber begegnet, als Pôlberra; es ekelt mich und meine Haut stellt sich zu Berge...
Angekommen bei Spektabilität Terbysios, hatte ich das seltsame Gefühl niesen zu müssen, da lag mehr als nur Schwefel in der Luft, aber es war mir eigentlich auch egal. Viel interessierter war ich, was sie mir aufzutragen hatte, ich hatte da so meine Hoffnung.
"Bla, bla, bla, Magister; geht ins Horasreich, bla, bla... König Mizirion entsendet uns als Diplomaten nach Horasien... bei Vinsalt... bla, bla... Unterstützung im Konflikt gegen Al'Anfa." Mehr kann ich leider kaum rekonstruieren, muss ich zugeben. Es war leider nicht der Auftrag, auf den ich gehofft hatte, aber was soll's; wer mag schon die Al'Anfaner?
Am kommenden Tag breche ich auf, meine wenigen Habseeligkeiten habe ich in einen großen Koffer getan. Ich habe meinen geliebten Stab genommen und bin zur Kutsche transportiert worden, durch einen unserer gebundenen Dienstdämonen. An sich war die Kutsche erträglich, aber der Kutscher war sicherlich kein Brabaker und faselte in seinem Hochgarethi dahin. Ein Grund mehr, möglichst schnell die Tür zu schließen.
Die Fahrt war gut auszuhalten, der König entsandte ja schließlich auch mich, einen der höheren Magister der Halle der Geister.
Hafengebiete, hier fühle ich mich wieder seltsam vital und jung... dieses Hafengebiet ist jenes, in dem ich aufgewachsen bin. Auch erinnere ich mich, als vor einigen Jahren wieder einmal Pfeile des Feuers (gekritzelt daneben steht: Pfeile des Lichts) nach Brabak gekommen waren, auf der Suche nach Magister Galotta - soweit ich mich entsinne - und Pôlberra sie an der Nase herumgeführt hat; das war wohl das Ereignis, dass in mir zumindest das ständige Verlangen auslöschte, ihm den Hals umdrehen zu wollen. Wenn er nicht ohnehin viel zu widerlich und abartig aussehen würde, als dass man ihn anfassen würde. Damals erklomm er die Stufe von Unwürdigkeit auf Widerwärtigkeit.
Aber hier ist es immer noch so heimatlich, hier und da ein paar Thorwaler Söldner und die Fischer. Zwei dieser Söldner werden uns letztlich zur Seite gestellt. Ich schreibe uns, denn der König hat seinen Sohn mit mir gesandt. Da mein Vater angeblich auch Thorwaler war, freunde ich mich schon relativ bald mit einem Thorwaler namens Sven Hildason an, sehr schweigsam, aber das sind ja die meisten von uns.
Die Überfahrt ins Horasreich dauert einige Tage und ich erfahre zwischendurch, dass das Horasreich den gesamten nördlichen Kontinent bedeckt; dagegen müssen Brabak und Al'Anfa winzig sein; ich frage mich, ob der König nicht etwas größenwahnsinnig ist, dort zu einem Bündnis zu bitten.
Auf der Schifffahrt drehen sich meine Gedanken um viele Themen; vertraulichen Quellen zufolge, scheint ein weiterer Bündnispartner am Horizont erschienen zu sein. Jemand, der bereits vor vielen Hundert Jahren einmal König der Schwarzmagier war. Vorerst hatte ich gehofft, Spektabilität Terbysios entsende mich dafür nach Horasien. Doch dazu muss ich wohl selbst meine Chance suchen; zugerne würde ich mit ihm fachsimpeln über seine spektakuläre, mit Sicherheit stark modifizierte Invocatio-Formel und ihn dazu befragen, wie seine Ausbildung gewesen ist... vielleicht könnte ich die Novizen viel gezielter unterrichten? Wohl bedürfen sie spezieller Förderung, um das Verständnis zu erlangen, dass ich für so wichtig erachte.
Er jedenfalls ist eines meiner Vorbilder, auch wenn ich gestehen muss, fast gar nichts über ihn zu wissen; einzig, dass er König Deres war und von einem gewissen Rohan gestürzt wurde, woraufhin man sämtliche Magier meiner Zunft verbannte. Nicht physisch, sondern man sperrte uns daraufhin in die Gemeinschaft der Wissenden, ohne dass diese Heilmagier und Analytiker ahnen konnten, wie mächtig sie uns damit machten. (Daneben steht ein Kommentar: Wie sehr ich damals irrte! Neue Betrachtungsweise: siehe spätere Kapitel)
Langsam wird die Schiffsfahrt langweilig, zwar ist Horasien sehr schön anzusehen, aber mir fehlt es an gewissen Dingen. Zum einen ist der wenige Wein an Bord extrem dürftig, zum Anderen schmeckt das Essen hundsmiserabel und zu guter letzt fühle ich mich schwach, da ich keine Magie wirken kann, wenn ich nicht innerhalb der letzten zwei oder drei Tage ein Tier geopfert habe; eine bedauerliche Angewohnheit, die ich bereits seit langem erleide, wegen dieser blöden Hexe... wer hat überhaupt eine Hexe in die Akademie gelassen? Und dann noch als Lehrmeisterin; ich verachte sie und werde solches Vorgehen nie gutheißen, gerade da mir deswegen so etwas passiert ist. Hier an Bord weiß niemand, dass ich derzeit nicht einmal einen niederen Dämon bannen könnte, geschweige denn einen beschwören - ich könnte nicht einmal einen Spuk beschwören, der ein feindliches Schiff der Al'Anfaner auseinanderreißt... ich habe versucht, einen Vogel zu schießen, doch er landete im Meer - von dem ich nicht einmal weiß, wie es hier heißt. Ich sollte meine Geographiekenntnisse vertiefen! Immerhin hat man mir versichert, das Horasreich wäre das größte Reich hier im Norden und würde etwa zwei von drei Teilen des Kontinents ausmachen! Außerdem soll es hier einen großen Krieg geben, doch man traue sich nicht mehr, das Horasreich anzugreifen - der Feind ist das Mittelreich, von dem Magister Galotta so häufig schwärmt, um es sodann wieder als Reich von Irren und Verrätern darzustellen - das ist manchmal sehr paradox, aber auch irgendwie verständlich. Das, was sie dem Magister dort angetan haben, zeigt ganz klar, dass man dort genauso primitiv ist, wie in Al'Anfa! (Seitennotizen: Brauchtum "Al'Anfaner Scharlachkappentanz", "Verstoßung", "Kopfgelder auf nahmhafte Magier")
Morgen sollen wir endlich anlegen! Inzwischen weiß ich, dass die Stadt Kuslik heißt und wir Vinsalt (auch eine junge Erkenntnis) erst nach einer Kutschfahrt erreichen werden.
Endlich, heute haben wir Vinsalt erreicht und ich muss sagen, diese Stadt, sie ist riesig und unvorstellbar prächtig; auch Kuslik war sehr interessant. Hier wird man gut behandelt, während Magier wohl im Mittelreich verfolgt werden, sieht man uns hier als das an, was wir sind: Hohe Gelehrte und mächtige Meister der arkanen Kräfte. Ich tu mich sehr schwer, mit den Göttern dieser Menschen, das hat man mir in Brabak nie so recht vermittelt, zwar habe ich das Meiste einmal gehört, aber hier scheint es sehr stark verinnerlicht worden zu sein. Die Menschen tun fast so, als sei die Existenz der Götter so ein Faktum, wie die Existenz der Mächte. Aber wer soll es diesen Unwissenden schon verübeln? Niemand von ihnen wird je die Mächte gespürt haben, so wie die Herrin mir schon häufig ihre Diener und Dienste anvertraute... (Randnotiz: Vielleicht ist es der Neid derer, die nichts haben, woran sie sich halten können?)
Vorhin habe ich mit dem Prinzen gespeist und seine Begleiterin angegraben, sie konnte sich nichts für mich abgewinnen, befürchte ich. Leider musste ich feststellen, dass sie ohnehin eine Langweilerin ist, wie sie im Buche steht.
Die Nacht war kurz, ich habe noch einige kleine Studien zuendegebracht, die ich mir als Hausaufgabe mitgenommen hatte, leider war die Schifffahrt bereits sehr stark von Langeweile belastet. Die Hälfte meiner Arbeiten habe ich bereits abgeschlossen, bedauerlich... jedenfalls klingt es so, als wenn wir bald die Königin dieses Landes treffen, eine gewisse Horas. Auf die diplomatischen Geschicke von König Mizirions Nachfahren bin ich sehr gespannt! Das Haus De Sylphur ist ja nicht umsonst vom Königsamt, über Stadträte und hohe Ämter in anderen Organisationen, maßgeblich an der Führung Brabaks beteiligt; es liegt ihnen im Blute!
Apropos Blut, heute habe ich mir bei einem Schlachtmeister etwas Blut von einer frisch geschlachteten Ziege besorgt.
Mein Bart stört mich. Die rauhen Stoppeln reiben an der Kapuze, die ich gegen das signifikant brennendere Sonnenauftreten hier trage. Inzwischen sind die Stoppeln zu ungepflegt wirkenden und ungleichmäßigen Haarfransen geworden. Ungünstigerweise habe ich mein Rasiermesser vergessen und es wuchert wild; beim nächsten Marktaufenthalt sollte ich mir eine vernünftige Klinge zulegen.
Heute ist es fast einen Monat her, dass ich beauftragt wurde, hierher zu reisen. Eine Gesandtschaft von Kriegern in goldenen Brünnen hat heute den Prinz und die anderen Gesandten mitgenommen, sogar einen Thorwaler Leibwächter, bloß hat man den Repräsentanten der Akademie irgendwie vergessen und ich soll zurückbleiben; sicher als eine Art Geheimwaffe oder das As im Ärmel, wie es im Söldnerboltan heißen würde. Sven ist auch hier bei mir geblieben, er neigt zum Stottern, wenn er aufgeregt ist, aber es gibt Schlimmeres; wir werden uns später in eine Unterkunft begeben, die für uns reserviert wurde. Das gute Essen in dieser edlen Unterkunft wird mir dort wohl fehlen, wesentlich besser, als das meiste was ich je gegessen habe.
Sven ist ein guter, junger Mann, der meinen Glauben in die Nichtmagier stärkt! Mit seinem Swafsgar oder Swifsgir, scheint er die Horasianer genauso zu verwirren und zu verhöhnen, wie sie uns mit ihren seltsamen Göttern zu verwirren suchen.
Relativ häufig fragt man mich, wie meine Herrin heiße, natürlich habe ich diesen Unwissenden nichts verraten.
Barbarei scheint es selbst hier zu geben. Vorhin ist etwas Seltsames geschehen: wir kamen an die Herberge, die man für uns reserviert hat und dort trieb sich ein Haufen wilder Lümmel herum, Soldvolk - wie man mir später erklärte. Diese Männer wollten uns nicht einlassen und sie waren durchaus gut angetrunken! Auch zwei andere Herrschaften, ein seltsamer Sohn Tulams, der mir sofort einen Blick für die Inhalte fremder Taschen zu haben schien und eine Schwarzkutte, die sich nicht als Magier zu erkennen geben wollte. (Kritzelnotiz: Golgarit [eine Art Götterdiener; sehr gefährlich! Achtet vermehrt auf "Umtriebe", die ich als gewöhnliche und logische Handlungsweise betrachte!])
Die angetrunkenen Herren, vor denen uns die beiden Herrschaften warnten, ließen Sven und mich tatsächlich nicht eintreten, trotz meiner Ankündigung, Gesandte des Königs und Diplomaten zu sein. Plötzlich erscholl lautester Lärm und Hufgetrampel schwellte auf, plötzlich stürzte sich ein Soldvolk auf das andere und eine wilde Prügelei brach hervor! Wir nutzten die Chance, um in die Herberge zu gelangen, aber leider befanden sich im Inneren weitere Angehörige dieses Söldnertrupps... dann flogen Stühle, während Söldner meine Mitstreiter in Gardinen verwickelten und seltsame Sprünge vom Treppengeländer mit herabstürzenden Kronleuchtern für Chaos sorgten. Ich erschoss einen Mann mit meiner Armbrust, ohne dass es jemand bemerkte und einen weiteren ließ ich dämonische Säure atmen - er kam noch ganz gut davon, hatte jedoch Schiss, wie die meisten Novizen, die Pôlberra das erste Mal begegneten; leider erfuhr ich erst später, dass diese Prügelei offenbar eine Art Spaß darstellen sollte und keine Toten gewünscht waren; dennoch spüre ich, dass die Herrin mich dafür begünstigt hat.
Nachdem wir uns nach dem Kampf vorhin etwas zusammengerauft haben, hat der Tulamide, der offenbar Seite an Seite mit einem dicken Horasier gekämpft hat, gleich mal mit ihm Freundschaft geschlossen. Schnell haben wir herausgefunden, dass dieser Mann ein Graf ist und durch hohen Verrat geriet jüngst sein Ruf in Gefahr! Im Zuge meiner Mission habe ich mir überlegt, dass es genau der richtige Einsatz wäre, mich mit dem Grafen gutzustellen, um die diplomatischen Verknüpfungen zwischen Brabak und Horasreich zu unterstützen. Sein Name war Piro von Shambalim oder so; der Name soll auch egal sein! Genaugenommen hat ein anderer Graf ihm sein Stiegelstempel gestohlen und dieser Graf, wie ich beinahe ahnte, will sich auch gegen das Bündnis mit Brabak stellen! Natürlich war meine Hilfe sofort gewiss! Noch dazu befindet sich der Verräter und wohl auch das Siegel im selben Schloss, wie mein Prinz und die Gesandschaft! Auch Sven sah sofort ein, dass wir den Prinzen und seinen Vorgesetzten schützen und die Diplomatie stärken müssen!
Also machten wir uns am folgenden Tag auf zum Schloss Baliiri! Auf dem Weg trafen wir einen kauzigen Händler, der Hilfe ohne Gegenleistung erwartete; was für ein Egoist! Was glaubte der eigentlich, wer er war, dass wir nur da wären, um ihm zu helfen?
Heute erreichten wir das Schloss und prompt kamen wir vor die Frage, wie wir dort hineingelangen sollten! Ein erster Schnellschuss brachte uns dazu, dass der Tulamide sich in einem Sandkarren versteckte und uns von innen heraus die Tore öffnen sollte; leider kam er dabei ums Leben. Ein Dämon, der uns die Lage von Siegel und Tulamide verraten sollte, kehrte nicht mehr zurück (eine später hinzugefügte Notiz verlautet: Antimagischer Sektentempel einer "Praioskirche" auf dem Landsitz?). Ist um den Tulamiden nicht so schade, ich habe ihn ohnehin kaum kennen gelernt, obwohl er - wie es mir schien - am besten mit meinen Fähigkeiten zurecht gekommen wäre. Gerade neigt sich die Nacht zu einem neuen Tag -wir haben die ganze Nacht gewartet und nun aufgegeben; der Tulamide muss tot sein - und ich habe eine gute Idee: wir entleihen ein paar Bauern die Kleidung - die ja ohnehin dem Grafen gehören müsste - und schleichen uns als Personal ins Schloss.
Bin nun im Schloss, es hat funktioniert, muss mich leider kurz fassen, kaum Zeit für Schreibarbeit.
Wir haben kurz Pause, ich bin jetzt in einer Handwerkergruppe und habe gerade erfahre, dass ich nachher ein Quartier zugewiesen bekomme; schreibe dann weiter.
In etwa zwei Stunden beginnt ein großer Ball - vom verräterischen Grafen ausgetragen. Habe ein Einzelzimmer im Dachgeschoss erhalten, in dem es sich gut aushalten lässt. Muss mich kurz halten, aber es gibt einige wichtige Neuigkeiten: es befindet sich noch ein weitere Magus hier im Schloss, des Weiteren glaube ich, ein Pärchen einige Räume weiter bei konspirativen Besprechungen belauscht zu haben! Werde die Zimmer während der Feier durchsuchen! Sven begeht gerade das Gelände und die Schwarzkutte, Borondian (durchgestrichen und durch Boronian ersetzt) geheißen, ist in der Küchengruppe und wird heute Abend als Kellner eingesetzt; gibt es eine bessere Informationsquelle?
Ich versuche nun an eine Maske zu gelangen, werde mir wohl eine leihen müssen...
Verdammt! Im Namen der Herrin und verdammt im Namen der anderen elf Mächte! Ich sollte hier hinschmeißen und mich gleich dem Dämonenmeister anschließen, wie sie ihn einst geheißen haben. Wäre ich seine rechte Hand - und was könnte ich da alles erlernen! -, dann würde ich mich nicht so blamieren müssen. Doch nun stehe ich hier, habe gerade mit den zauberischen Fähigkeiten eines Gotongi die beiden Gemächer durchsucht; der Magus scheint nicht sonderlich wissend zu sein; habe ihm Aufzeichnungen über eine neue Flim-Flam-Thesis und eine spezielle Analys-Formel entliehen, denn Wissen sollte nicht jedem zugänglich sein - so lautet der Sinnspruch meiner Herrin - und es lag so offen auf dem Schreibtisch herum - was für ein unfähiger Stümper; da ist er selbst Schuldträger. Das Pärchen stellte sich im Nachhinein wohl als der Hauptmann der Schlosswächter und seine Gespielin heraus, doch hier fand ich etwas Schminkzeug und einige Federn; meine Maske wirkt etwas gewöhnungsbedürftig, aber sie wird wohl genügen. Ich schleiche mich nun nach unten und werde mich unter die Gäste mischen...
Sehr ärgerlich, sehr, sehr ärgerlich! Boronian hat Informationen erhalten, doch als ich es erfuhr, war es bereits zu spät für eine dämonische Kontrolle oder einen Zauberzwang. Zumal eine der Personen, die über interessante Informationen verfügt scheinbar nicht mehr aufzufinden ist; morgen ist der Maskenball vorbei und niemand weiß, wer hinter dieser Verkleidung steckte. Nur dass der verräterische Graf scheinbar einer der beiden Verschwörer war, stimmt mich nachdenklich und erhärtet den Verdacht gegen ihn. Ich spüre, dass ich mich mit den Diensten meiner Dämonenbeschwörungen sehr verausgabt habe; dass ich letzte Nacht wegen des Wartens auf den verstorbenen Tulamiden nicht genächtigt habe, tut sein übriges; ich krieche auf dem Zahnfleisch und diese Nacht ist wieder eine lange geworden; ich hoffe, ich finde gleich Schlaf!
Es ist wieder ein spannender Tag gewesen. Heute gab es ein Turnier, dort traten Ritter auf Pferden an! Aber zu erst haben wir die Tribünen gefertigt, eine Dämonenarbeit; mir tat lange nicht mehr der Rücken so weh. Während der Schwertkämpfe, die zuerst abgehalten wurden und bei denen sich unser Prinz schlug, wie es seiner gebürte, habe ich einen kleinen Ausflug ins Schloss unternommen und bin weiter denn je vorgedrungen. In leblose Säle, voller Prunk und mit genügend Platz für mein Inventar aus der Akademie. In jenen Kammern würde ich gerne leben und Unterricht halten, aber ich suche noch nach meinem neuen Herren und vielleicht wird er mir so etwas ermöglichen. Etwas später stieß Sven zu mir und wir kamen bis an eine Tür, die das Wappen des Grafen trägt. Doch dummerweise rief in diesem Moment der verdammte Vorarbeiter zu den Umbauten und so mussten wir hinunter, um die Schwertkampfarena zu einem Reiterkampfplatz umzubauen und dort sah ich auch, dass der Tulamide noch lebt, wer weiß, welches Spiel er mit dem Burgvolk treibt; jedenfalls ließen wir ihm seine Ketten und hofften, er wusste, was er tat. Als wir mit den Umbauten fertig waren, wollten wir noch eben den ersten Kampf abwarten, bevor wir uns wieder ins Schloss begeben konnten, doch leider endete dieser fast tödlich... hätte ich nicht difarschnell eingegriffen, gäbe es wohl sogar einen Prinzen weniger (gekritzelt steht daneben: im Horasreich). Nur was die magische Heilung anging, war der Hofmagier schneller, ein wahrer Spötter unserer Zunft, wie ich gestehen muss. Doch der gerechte Dank steht uns zu und so lädt man uns zum abendlichen Speis und Trank mit dem Grafen und dem Prinzen. Das Essen war jedoch noch viel mehr ein Maskenball als der Tag zuvor, der gute Graf behauptet stock und steif, er möge Dom Piro, wie er den Grafen von Shalimba nennt, und wünschte, dieser wäre hier. Na klar, sein Kopf könnte den Tisch zieren und ich will gar nicht wissen, was dieser Mann alles damit anstellen würde, wenn die Mächte ihm ihre Hand reichten...
Allerdings bin ich unzufrieden, denn ich sitze gerade unter einem Baum in freier Natur, einige hundert Schritt vom Schloss Balirii entfernt. Irgendetwas hörten wir von einem "wichtigen Utensil", dass morgen aus dem Schloss geschafft werden soll. Nachdem Boronian heute Abend für die Grafenzofe gekellnert hat, berichtete er uns, dass er zwar das Siegel des Grafen von Balirii, aber nicht das Siegel des Grafen von Shalimba dort gefunden habe. Neben der seltsamen Marotte der Horasianer, dass die Gräfin nach Boronians Berichten offenbar nicht über ein Zimmer verfügte, versicherte er uns, wir hätten alle Räumlichkeiten des Schlosses abgesucht. Ich weiß nicht, wer dann auf die dumme Idee kam, über Nacht aus dem Schloss zu gehen; jedoch habe ich mich wohl für das Wohl der Gruppe mitaufgeopfert. Jedenfall sitzen wir hier draußen und die anderen schlafen schon, ich werde auch gleich schlafen.
Was für ein Tag! Hatte ich gestern beim Schreiben schon leichte Unruhe verspürt, so ist es jetzt die wahre Herzraserei! Nachdem mich die anderen gütig davon abgehalten haben, einige Bauern ihres Lebens zu berauben, weil sie sich weigerten, mir ihre Pferde zu verkaufen, angeblich wegen der Erntezeit, erklärte ich, dass wir kaum ahnen können, wie die Gesandtschaft aussehen würde; auch würden natürlich wegen der Treibjagd (Notiz daneben: vergessen vorher zu erwähnen, barbarisches Ritual aus dem alten Bosparan, wie mir scheint) heute all die Edlen hinein und hinaus reiten. Ein Hinterhalt war also gar nicht so schlau. Mehr oder weniger waren es also meine Gesprächsbeiträge die zu heftiger Diskussion führten und uns letztlich wieder ins Schloss brachten. Dort belauschten wir nach etwas herumsuchen den Grafen, der einem dummen Kommandanten in Übereifer das Versteck verriet. Hätte der Kommandant nicht gefragt oder der Graf es nicht mit höhnenden Worten herausgeplaudert, dann wäre wohl jetzt alles anders... aber Tasfarelel war auf unserer Seite!
Durch die Decke ließen wir uns in jenen Raum hinab, nachdem - den Mächten sei Dank - niemand Svens zweistündige Arbeiten bemerkt hatte (Anmerkung: Wir waren wegen unserer Lebensrettung beim Prinzen natürlich freigestellt und hatten hohe Privilegien). Und da war es, ein kleines Stempelsiegel, so unscheinbar und doch so wichtig. Vorbei an dem Wachmann, der außen vor der Kammer stand, die wir gerade ausgeräumt hatten - Sven hatte sogar noch eine Schmuckwaffe entwendet, die ihn wie einen glorreichen Krieger aus den alten Tagen wirken ließ, hinaus auf dem Hof. Boronian, der ein geschulter Reiter schien, sprang plötzlich auf eines der Pferde, die dort für die Adeligen bereit standen und schnappte sich ein weiteres Pferd im Ritt. Da sah ich es, sie hatten Dscherid, den Sohn Tulams der uns vor einigen Tagen von Hilfe war, an den Galgen geführt und wollten ihn richten. Ich versuchte ebenfalls auf ein Pferde zu gelangen, während Satinav gegen mich zu fluchen schien. Alles geschah so schnell aufeinander, plötzlich hob ich meine Armbrust und allen Mächten sei Dank, traf ich auf Anhieb das verdammte Seil und Dscherid fiel keuchend zu Boden, dennoch schien sein Drang zu leben, dafür auszureichen, dass er flott auf Boronians zweitem Pferd saß; ich war mir sicher, dass Sven hinter mir sein musste und dann hieß es nur noch: "Lauft, soweit die Hufe euch tragen!"
Erst in den Abendstunden kamen wir wieder zu Ruhe. Jetzt sitzen wir, bei Bier, Wein und Speisen in einer Taverne in einem Kaff, dessen Namen ich nichteinmal kenne. Morgen sollen wir unser Ziel erreichen und ich bin sehr gespannt.
Ich habe Kopfschmerzen und mir ist dazu, mich zu übergeben. Erinnere mich an wenig, waren unterwegs nach Perainidal. Wurden von einigen Bauern verärgert, die uns mit Apfeln bewarfen und meine Kleidung ruinierten, wollte sie mit einem mächtigen Flammenball aus der Welt schaffen, doch Sven beruhigte mich. Er hatte Recht, sie waren meine astrale Macht nicht wert. In diversen Dörfern und Weilern sahen wir abgerissene, stinkende Flüchtlinge aus dem Süden, die vor der Roten Keuche flüchteten, einer tödlichen Krankheit. In Perainidal erfuhren wir, wo wir Dom Piro finden konnten, auf dem Gutshof "Novolo". Waren dann dort, trafen einige weitere "Doms", aus diversen Regionen, feierten, hatten Spaß mit Frauen, tranken, tranken mehr... irgendwann waren da dann Hunde und ein mächtiger Beherrschungszauber hatte mir die Welt vor Augen schwarz werden lassen. Jetzt erwache ich hier, in einer Zelle mit den anderen und erfahre, dass der "dumme Kommandant", den ich einige Seiten vorher erwähnt habe, ein gewisser Ravendoza, uns erwischt hat. Mal sehen, wie es mit uns nun weitergeht.
Werte Nachwelt, ich lebe! Ein verschrobener Magus hat in den Gedanken des Tulamiden gelesen. Vorerst versuchte ich, die Gruppe gegen ihn aufzubringen und den Magus als Dämonenpaktierer darzustellen, doch dann stellte ich überrascht fest, dass man bereit war, uns zu glauben. Derweil jedoch wurden wir gefoltert, doch ich habe natürlich stand gehalten, wie es sich für einen Olibantin gehört! Schließlich erklärte man uns, dass Dom Piro nicht Dom Piro war, sondern Dom Phrenos, der sich als Dom Piro ausgab. Der Feind und Verräter heißt also Dom Phrenos, ein gefallener Markgraf von Chababien. Und "sein Siegel" war wohl das Siegel der horaskaiserlichen Majestät. Keine Frage, bevor der Frieden zwischen Brabak und Horasreich auf der Kippe steht, räche ich mich an Dom Phrenos und hole das Siegel zurück.
Unser Weg führt uns nach Süden, wo wir überfallen werden; der Tulamide erkrankte daraufhin an Wundbrand und Sven war auch stark angeschlagen. Mir geht es auch nicht sonderlich, da mir so ein verdammter Strauchdieb sein dreckiges Messer in die Brust getrieben hat; doch die Mächte haben noch Pläne mit mir und ich überlebte. Wir versteckten uns im Wald, als sie übermächtig wurden und wir zu angeschlagen waren. Die folgenden Tage reisen wir südlich, über Arivor und Silas. Offenbar pilgern viele Männer und Frauen gen Arivor, wo jetzt im Rondramond wohl irgendwelche Feierlichkeiten abgehalten werden. Aber spätestens ab Silas kommen uns immer mehr Flüchtlinge der Roten Keuche von Süden gen Norden entgegen. In Parseq dann stellen wir fest, dass manche Stadt bereits ausgerottet scheint: fast alle Bewohner sind mit Pocken und Beulen übersäht und sterben qualvolle Tode; von dämonischem Wirken ist hier die Rede - aber das sagen die Götterdiener der Heilungsgöttin; als wenn sie die Wahrheit verstünden. Am folgenden Tag erreichen wir Methumis und dort erleben wir das wahre Grauen ein seltsamer Praiot namens Fra Praionor hat sich dort zum Herrscher aufgeschwungen und predigt nun ebenfalls von Dämonenwirken als Strafe der Götter - welch Irrsinn ist das? Selbst Fanatiker scheinen das Konzept ihres eigenen Fantasiegebildes nicht zu begreifen. Leider musste Sven auf einer Kundgebung den Helden mimen, während wir Informationen suchten; so mussten wir uns trennen. Der Tulamide, der schwarzgewandte Totenanbeter und meine Wenigkeit wurden jedoch - verfolgt von einer Art Stadtmiliz - von Götterdienern der Heilerin aufgegriffen - in der Not frisst der Namenlose sogar Fliegen und na ja...
Nach dem Gespräch muss ich sagen, die Götterdiener können nicht nur Mist bauen. Wir sollen einen Prinzen aus seiner eigenen Festung im Herzen Methumis' befreien. Wenn dies gelingt, haben wir also die Götterdiener und den Prinzen auf unserer Seite und dann wohl dessen Vater... der ist Herzog und hat als solcher natürlich auch eine Armee und so ist das große Ziel, dass wir so bald wir noch heute nacht aufbrechen und den Prinzen befreien - für solche Festungsinfiltrationen sind wir ja inzwischen ungewollt zu Fachpersonal geworden. Mögen die Mächte geben, dass wir zurückkehren und ich hinterher die Schmach des Verrats genügsam rächen und begleichen kann.
Dass ich diese Zeilen noch ins Diarium setzen darf, erstaunt mich selbst zutiefst. Kaum glaubte ich, so dermaßen nahe der ewigen Verdammis zu stehen, wie Dscherid, dessen Leben gleich mehrfach auf dem Hochseil zu balancieren schien. Wir sind durch den Garten in das Kastello eingebrochen und ich habe unterwegs einen Bannstrahlritter vaporisiert, wie man in Magierkreisen zu sagen pflegt, dann wirkte ich einen Säureregen auf sechs weitere Wächter und irgendwie mögen die Mächte es später vergelten, aber wir gelangten ins Innere des Kastellos, wo man uns sogar freundlich gesonnen war und zum Prinzen führte, welcher sich später als geradezu lebensmüde erwies. Eine Flucht über die Dächer erschien als einzig sinnvoll, in Anbetracht der Umstellung des Gebäudes durch die Franatiker, wie ich sie zu nennen begann, aber dieser Prinz hatte doch den irren Anklang im Sinnen, dass er dem Irren Fra noch einmal seine Meinung geigen musste, so dass wir verfolgt wurden und als ich dann abrutschte und vom Dach fiel, musste ich zusehen, nicht vom Mob überrannt zu werden.
Erst, als wir bereits im außerhalb der Stadt gelegenen Herzogenpalast ankamen und uns niederließen, begriff ich, dass ich wohl noch lebe, denn dann kamen all die Schmerzen zutage, die die Flucht und Anstrenugung mit sich gebracht hatten. (Gekritzelter Zusatz: Sven überlebte seine Heldentat auf dem Marktplatz und ist wieder mit uns unterwegs.) Leider bleibt nicht viel Zeit hier beim Herzog, denn wie wir herausfanden, leidet Sven unter der Roten Keuche und demnach wird er bald von den Mächten ergrriffen, hoffen wir, dass ihn Thargunitoth und Asfaloth nicht erwischen, er hat wenig Leid verdient und mir hier und da einen Dienst erwiesen.
PS: Endlich vernünftige Betten und ruhiger Schlaf.
PPS: Nach einem kleinen Nickerchen, drängen die anderen zur Weiterreise, unser Ziel soll Neetha sein. Ich akzeptiere ihren Vorschlag wohwollend.
Heute ist unsere Reise aufgehalten worden. Wir befinden uns an einem Fluss, der sich Tovalla nennt, wir wollen nach Thegûn. Ungünstigerweise hat sich hier eine magische Gestalt verirrt, ein Chimär, wenn ich recht denke. Leider, lässt jene Kreatur (respektive Wesenheit, falls ich einem Irrtum unterliegen sollte), keine intelligenten Geschöpfe passieren. (Nachtrag: Der Versuch einen einfachen Bauernlump über die Brücke zu jagen, bewies, dass auch weniger intelligenten Individuen kein Erfolg beschieden ist.) Im Guten, wie ich betonen will, habe ich versucht, der Kreatur ihren niedrigen Stand begreiflich zu machen und sie zurecht zu weisen, doch sie reagierte mit der ewig plumpen Antwort: "Sie will nicht, dass jemand passiert." Wenn ich morgen erwache, werde ich wieder kräftig genug sein, diese Gestalt in ihre Schranken zu verweisen.
PS: Wer mag "sie" sein? Eine Chimärologin? Eine Magistra der Magica Controllaria vielleicht?
Drei Leichen, offenbar von Angehörigen der Familie Firdayon getötet. Habe einen Drachendolch eingesteckt.
Die Informationen musste ich heute Vormittag schnell niederkritzeln, jetzt habe ich etwas Zeit zum Schreiben. Die Passage über die Brücke war am nächsten Morgen möglich. nachdem wir etwas nachhalfen. Nun, ich will nichts beschönigen und nicht lügen, also sagen wir: ich wendete Magie an und danach überquerten wir die Brücke. Genaure Zusammenhänge bedürfen keiner Erwähnung mehr und sollte der Thorwaler anderweitiges behaupten, so war mein Zutun ebenso bedeutsam, wie das seinige. Jedenfalls fanden wir die drei Leichen auf dem Weg von Thegûn (welches wir heute Morgen kurz durchreisten) nach Brelak. Die Informationen habe ich später in einem Dorf eingeholt und nur dazugekritzelt, mal sehen, wozu das führt.
Nachtrag: Verdammt, Sven geht es inzwischen so schlecht, dass ich mich in seiner Gegenwart sehr unwohl fühle, auch wird er inzwischen am Betreten von Städten gehindert. Die Städte werden immer dünner besiedelt und falls ich mich anstecken sollte, würde wohl sogar einer Persönlichkeit wie mir, untersagt werden, mit der Zivilisation zu interagieren.
Zwei Tage sind vergangen und ich muss sagen, allmählich verzweigen sich die Annahmen. Auf der einen Seite wissen wir nun, dass Phrenos zwei Tage Vorsprung hat und inzwischen in Begleitung einer schwarzhaarigen Magierin reist, wobei diese beiden noch von drei Dutzend Söldnern eskortiert werden. Offenbar hat dieser dreizehn Mal verfluchte Phrenos also seinen Einflussbereich noch mehr erweitert. (Kritzelei: Andererseits erklärt die Anwesenheit der Magierin, wie Phrenos mich anfangs überlisten konnte.)
Wieder haben wir drei tote Söldner gefunden und ein Stadtwächter der nächsten Stadt (welche hier alle unmerkbare Namen wie Shlish tragen) erklärte mir, dass der Drachendolch nicht nur aus dem Hause Firdayon, sondern vielleicht auch dem Herzog von Yaquir zugehörig sein könnte. Die drei Toten hatten einen Zettel dabei, auf dem ein Kopfgeld von 750 Dukaten (das Geld der Horasier, vergleichbar mit unseren Dublonen) auf meinen persönlichen Favoriten Phrenos ausgesetzt sind.
Wir folgen dem Chabab einem Fluss hier im Horasreich, welches übrigens gerade heute, am 22. Rondra, seinen Volkstrauertag begeht. Sehr interessant, hier wird der hochbegabte und völlig missverstandene Belen-Horas wenigstens noch geehrt; dass er sich versucht habe die Erzdämonen selbst untertan zu machen, glaube ich übrigens nicht, viel eher glaube ich, dass das eine Metapher dafür ist, dass er paktiert hat, was natürlich keine Wahl sein sollte. Aber fähig war er und hätte sich jemand seiner angenommen... (hier endet der Eintrag abrupt, ganz offensichtlich nachträglich wurden die Worte "später fortsetzen" daneben geschrieben.)
Gerade erreichen wir eine Oase oder so etwas und dort, bei den Zelten sehe ich Phrenos und einige der Söldner, die er an sich gebunden hat (unter ihnen auch Echsenvolk), die Magierin kann ich vorerst nicht ausmachen, dennoch ist ihre Anwesenheit für mich keine Frage, sondern eine Antwort. Und zwar auf die Frage, was wird hier gespielt? Wie arbeiten Söhne Tulams mit Echsen zusammen? Wie arbeiten beide mit Horasiern zusammen?
Die Planung meiner Mitreisenden war ein wirres Vorgehen, bei dem man glauben mochte, es ginge ihnen um möglichst viel Spaß. Dieser Punkt war für mich längst überschritten, als ich durchs Unterholz schlich und nur noch die verfluchten Eingottgläubigen und ihre Zelte zwischen mir und dem schändlichen Phrenos sah. Den anderen legte ich nahe, mit einer Illusion den Geist der Feinde zu verirren, während ein einfaches Feuer im Zeltlager für Unruhe sorgen sollte.
Aus meiner Sicht hatten diese Söldner wissen müssen, welches Risiko sie eingingen und daher war es ihr Problem, dass sie von meinen Pandämonäen zerrissen wurden, während sie habgierig nach den brennenden Zelten eilten oder aus jenen flüchteten...
Und während im gesamten Westen das Lager dämonisch befallen war und in Flammen stand (Notiz am Rande: eindrucksvoll im Abendrot!), näherten wir uns von Osten aus dem Wald der abgewandten Seite der Festung. Leichten Fußes gelangten wir durch einen Riss im Gemäuer ins Innere und konnten uns dort vorarbeiten. Dscherid versicherte uns, dass das Tor nach draußen, für unsere Flucht bereits geöffnet war und nur noch aufgestoßen werden brauchte...
Fast zu einfach waren Dom Phrenos, Dom Pulpio und Dom Bardo ausgemacht und so eilten wir uns, sie zu viert zu bekämpfen. Doch zuvor sollte ich meine Illusion noch auf die Fluchtwege wirken, auf denen entlang auch Wächter hätten kommen können... meine Wut erfasste mich, gegen meinen Willen, und ich ließ sicher sechzig Rechtsschritt vor mir in der Verdammnis versinken, im Flur mochte es den Nachschub an Truppen aufhalten, doch ich wusste mich noch zufriedener, da man mir zuvor nahegelegt hatte, dass auf dieser Fläche gleichsam auch etwa ein Dutzend Söldner in Schlaf- und Aufenthaltsräumen befindlich waren - ihre Leben endeten, ohne dass wir etwas davon bemerkten. Andererseits hätten sie uns ebenso, ohne ein Zögern, das Leben entrissen - ein Fakt, den meine Begleiter in ihrem Zwölfglauben oftmals unterschätzen und übersehen.
Die Kämpfe waren schwer, haben uns alle stark angekratzt, aber in der Tat hören wir zwar Befehle von draußen, aber es gelangt niemand in unsere Quere. Freiwillig rückt Phrenos damit raus, wo das Siegel ist und Boronian, der mit der Stiefelspitze auf Phrenos' gebrochenen Kniescheiben lehnt, will ihn zwingen, die Kiste zu öffnen, doch dazu scheint er nicht mehr in der Lage. Meine Analyse ergab, dass die Kiste höchstmagischer Natur oder weitaus magischeren Inhalts war und so entschied ich mich, mit einer klaffenden Wunde in der Brust und dem Tode nahe, keine dummen Ideen auszuleben.
Unser Fluchtweg war indes abgeschnitten, durch Söldner und wir versuchten, über einen der Wehrtürme zu fliehen. Beim Beschuss durch Armbrüste von einem anderen Turm hat Dscherid beinahe den Tod gefunden und so habe ich entschlossen, dass wir mit Phrenos als Geisel ziehen sollten und sogleich auch das Kopfgeld von 750 Dukaten ergreifen könnten. In der Tat hat man uns ziehen lassen, aber bei den Söldnern erwartete mich noch eine Überraschung, die Magierin, die mir so oft beschrieben wurde, war keine geringere, als die Convocata und Magistra Extraordinaria Saya di Zeforika, aus meiner Heimatakademie der Halle der Geister zu Brabak. Einer Fraternitas Uthuri sollte ich mich anschließen, faselte sie und ich hätte das Potential. Doch ich werde dem Herrn Borbarad eines Tages dienen, solchen Irren kann ich meine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht zur Verfügung stellen, also schlug ich aus und wir ritten von dannen - mit Pferden aus der Festung, die einst eine Karawanserei gewesen war.
Leider erkannten die Söldner zu schnell, dass der Tod ihres Auftraggebers und dessen Entführung gleichfalls die versprochene Belohnung entfallen lassen würden. Also folgte man uns und wir waren dem Tode nahe, unsere Wunden schmerzten und die Erschöpfung war groß... die gesamte Nacht hindurch und mussten uns am Morgen ergeben.
Im rechten Moment jedoch erschien ein Trupp horasischer Kaiserlicher und verscheuchte den Feind und errettete uns, auf dass wir uns die letzten Tage erholen konnten.
Wieder sind einige Tage vergangen udn überall will man uns plötzlich die Hände schütteln, obwohl wir keinem sagen dürfen, was wir überhaupt getan haben. Dennoch ist man uns dankbar und lobt uns für das, was wir ja gar nicht getan haben.
Heute wurden wir zu "Knappen im äußeren Zirkel des göttergewollten und königlichen Ordens vom Goldenen Adler" ernannt, zumindest Dscherid und ich, konnten diese Ehre nicht ausschlagen. Sven und Boronian wollen jeweils nachhause kehren; doch nachdem Magistra di Zeforika offenbar eine Verschwörerin ist, werde ich Brabak und die Akademie vorerst etwas meiden und Informationen sammeln. Bis dahin habe ich als Ritter hier im Horasreich die Chance, Verbündete und Mittel zu sammeln. Lohn erhalten wir auch, für unsere Taten - ein mickriges Handgeld, aber derzeit lässt man es uns nicht groß mangeln.
Der Boironmond bricht herein und es gibt große Hinrichtungen, dabei sind die Horasier so einfallsreich, wie die Al'Anfaner, nur dass sie natürlich ihre Opfer rechtschaffener auswählen und einer gewissen Vernunft folgen! Jede Menge Blut wird vergossen, was den Mächten sicher nur zuträglich ist. Einige unterhaltsame Stunden vergehen und meine Wut auf die Personen, die uns umbringen wollten, weicht nach und nach der inneren Genugtuung.
Wir Ritter vom Goldenen Orden wurden nun beauftragt, herauszufinden, was mit dem wahren Dom Piro geschehen ist und wurden deshalb nach Chalinba entsandt. Dort fanden wir jedoch nur einige Ruinen vor, in denen ich zwar einige gefesselte Seelen befragen, aber nicht viel herausfinden konnte - außer dem Namen eines tulamidischen Zauberers: Zhurkan ibn Nasir. Sven und Boronian waren ebenfalls gefolgt und verweilten mit mir zusammen in Chalinba. Als wir einen Streit mitanhörten, erfuhren wir von den Streitenden, dem Schmied Rainaldo und dessen Tochter Tessalina, dass ihr Sohn und Bruder entführt wurde. Was uns interessierte, war die Tatsache, dass man dem Vater sogar die Erinnerungen an seinen Sohn magisch gestohlen hatte; vielleicht eine Spur...
Tage lang folgten wir der Spur in den Llanegowald, wo wir nach einigen Hindernissen auch an eine natürliche Höhle gerieten, in der sich die Fraternitas Uthari aufhielt (oder wie sich der Haufen später selbst bezeichnete). Am Eingang warteten offenbar zwei Magier bereits auf uns und wollten uns mit einem Flammenball anzünden, doch die Tochter des Schmiedes errettete uns heldenhaft, indem sie sich opferte, was den Schmied verständlicherweise sehr mitnahm, ihm aber auch Kraft und Tatendrang verlieh. Ein paar Söldner waren kein Problem für uns, auch eine Hexe mit seltsam mächtiger Magie schaffte es zwar, zwei von uns auszuschalten, wurde dann jedoch von mir ins Reich der Träume gestürzt - nur Zhurkan ibn Nasir, übrigens ein Zwerg und kein Tulamide, hielt sich den Sohn des Schmiedes als Geisel und konnte entkommen, wobei er den Sohn unverletzt zurückließ, um schneller fliehen zu können. Wir erfuhren aus dessen Worten, dass dieser Zwerg sich verantwortlich zeigte, für den Tod Dom Piros und das Zerstören von dessen Festung.
Auf dem Weg zurück aus dem Wald, kamen wir an einen Wasserfall und machten Rast; das Wasser dort war herrlich frisch und die Erholung weniger Minuten konnte die letzten Stunden vergessen machen, da trug es sich zu, dass plötzlich -und ihre Augen hätte ich nie vergessen können, da sie mich im Augenblick ihres Todes angeblickt hatte- Tessalina vor uns stand und lebte. Wegen ihrer Kleidung glaubten die anderen offenbar, dass die Kleine von der Göttin Tsa wiedergeboren worden war oder so... dieses wunderschöne Biest; sicher war sie seit damals an mit Tyakra'man im Bunde und wollte fortan Rache nehmen! Aber wer kann es ihr verübeln?
In der Feste Aldyramon erstatteten wird Bericht und erhielten Neuigkeiten, dass man noch Informationen über die Zwischenfälle mit Magistra Zaya und Dom Phrenos gefunden hatte: offenbar zeigten Unterlagen aus ihrem Besitz, dass eine Sternenkonstellation im Ingerimm 1019 BF wichtig sei und nicht minder, offenbar das Siegel der Kaiserin und jenes Siegel der Familie ay Oikaldiki, inklusive eines sogenannten Aarensteins.
Äußerst erfolglos warteten wir die fünf Monate ab, doch im Ingerimm 1019 BF ist nichts Besonderes geschehen. Inzwischen haben wir Rahja und sind mitten im Fest der Freuden, nach einigen Monaten, die ich für den Orden arbeitete, gab man mir Urlaub um am Fest der Freuden teilzunehmen. Rahja, die einzige Göttin der hiesigen Zwölfe, die mir sympathisch erscheint, scheint sogar einem Mann wie mir hold zu sein. Vom Verhalten erinnert sie selbst genausowenig an die üblichen begrenzenden und einschränkenden Gottheiten, wie ihre Geweihtenschaft. Jedenfalls lässt sie mich viel Wein trinken und mit vielen Frauen intime Verhältnisse erleben und alles, was wir dafür tun müssen, ist noch mehr zu feiern, mehr zu trinken und mehr zu kopulieren. Solange besuche ich Theater, Bäder, Tavernen, Straßenfeste, Paraden und allerlei Kundgebungen von Musik, Gesang, Kunst und Wein.
Warum auch nicht? Als ich noch die letzten Zeilen schrieb, ahnte ich, dass dieses einwöchige Fest sicher für mich ein jähes Ende finden würde! Plötzlich hatte Sven heute Nachmittag ein paar Gesprächsfetzen aufgefangen und dann musste plötzlich das Ziel gen Veliris gesetzt werden, wo der dortige Baron wohl nach Verschwundenen fahnden lässt... oder nach dem Grund von deren Verschwinden? Irgendwie soll jedenfalls eine rothaarige Thorwalerin aus Brabak involviert sein und so hat sich Sven entschieden ihr zu helfen (Notiz: Wobei sie selbst verschwand, nachdem sie sich auf die Suche begab). Als Reisemöglichkeit schlossen wir uns einem Magister und privaten Lehrmeister an, der laut eigenen Aussagen in Methumis und Punin ausgebildet wurde. Was für ein verkappter Weißmagier mit Hang zur Arroganz, aber er könnte in unsere Pläne passen. Auch wenn es die anderen ungerne hören, er könnte nützlich sein.
Zwei Tage unterwegs, wir wurden bestohlen und ein Waschbär hat unsere Vorräte geleert, wofür ich ihm nicht einmal böse sein konnte, bei all den Leckereien, die wir HATTEN. Aber dieser selbstgefällige Magier und Magister, übrigens in Begleitung einer Schülerin, hat Sven und Dscherid irgendwie mit einem Söldnervertrag zur Drecksarbeit gezwungen und dazu, sich von ihm wie die letzten Handlanger behandeln zu lassen. Dabei, so sagte Sven mir, war der Diebstahl mit einem großen Ablenkungsmannöver mitten in der Nacht verbunden gewesen. Die Lage ist sehr angespannt und ich frage mich, wie es ab Veliris weitergehen soll, denn das Risiko für den verkappten Moralapostel-Magier steigt, ohne dass er etwas davon zu ahnen scheint - ständig spricht er davon, dass wir nicht von einem Stand wären, womit er sich die Option offen lässt, zu behaupten, er sei etwas Besseres als ich; dabei weiß doch jeder, dass ein Weißmagier nicht ein guter Zauberer sein muss, sondern ein guter Götterschriftenkundler. In der Elevenzeit hieß es bei uns stets, in der weißen Gilde gäbe es hohe Posten und Titel zu verschenken und nicht zu erarbeiten.







